Gedichte-Wettbewerb Thema: Frühling | Preise: 25 Steem

Ich dachte, dieses Jahr fällt der Winter komplett aus, aber hier in Berlin wird es doch wieder etwas frisch. Nix mit kurzer Hose im März :-). Beim Nachbarn hat es sogar das Dach abgedeckt. Da wütete letzte Nacht ein Sturm von ziemlicher Intensität.

Ja, da wünscht sich jeder den Frühling.

Gestern Abend las ich ein bisschen auf einer Gedichte-Website und habe da auch das eine oder andere Frühlingsgedicht gelesen. Bei einigen wurde mir wirklich ein bisschen warm ums Herz und der Sonnen-Hunger überkam mich.

Nun, damit noch mehr frühlingshafte Gedanken in die Welt des Internets einfließen , muss Content dazu produziert werden.

Deswegen eröffne ich hier und jetzt meinen ersten Gedichte-Wettbewerb. Das Thema lautet : FRÜHLING

Die Regeln

  1. Das Thema „Frühling“ muss klar erkennbar sein
  2. Das Gedicht muss in deutscher Sprache verfasst werden
  3. Das Gedicht muss wenigstens aus 20 Zeilen bestehen (Jede Zeile muss wenigstens 3 Worte enthalten, wenn es passt, können es auch weniger sein.)
  4. Keine Vorgaben zum Stil, jeder kann dichten wie er möchte. Ich selbst favorisiere jedoch klassische Metriken bin aber auch neuen Stilen sehr zugewandt, wenn diese gut beherrscht werden
  5. Das Gedicht muss unique sein (also ein Unikat und damit eine Erstveröffentlichung im Internet sein. Wenn ich danach suche, darf ich keinen indentischen Inhalt finden)

Kurator und Jury

Bin ich selbst :-). Ich habe keine Jury und lasse auch nicht abstimmen. Da wird immer ein bisschen „nachgeholfen“. Das Gedicht muss allein mir gefallen. Da ich ein gutes Verständnis für lyrische oder auch prosaische Gedichte habe, bewerte ich vor allem nach dem Gefühl, welches das Gedicht bei mir erzeugt.

Der Preis

Der fällt nicht besonders hoch aus, aber für einen Dichter aus Leidenschaft zählt auch die Anerkennung.

Ich vergebe 3 Preise.

  1. 15 Steem für den 1.Platz.
  2. 10 Steem für den 2.Platz
  3. 5 Steem für den 3.Platz

Dauer des Contest und Ablauf

Der Contest beginnt sofort (heute 12.03.2019) und endet am Montag dem 18.03.2019, 17.00 Uhr.

Um eine schöne Einstimmung zu diesem Contest zu geben, kommt jetzt hier ein Frühlingsgedicht von Rob Alphanostrum, dessen Dichtkunst ich sehr schätze. Auch wenn ich nicht jede seiner Meinungen teile, ist er für mich einer der besten Dichter die ich jemals persönlich kennengelernt habe. Er wohnte mal bei mir um die Ecke. Wo er jetzt lebt? Keine Ahnung. Er hat mein Leben ziemlich geprägt mit seiner besonderen Art die Dinge zu hinterfragen. Mit seiner flachen Erde-Theorie hatte ich immer meine Probleme, aber wer weiß —
Jedenfalls ist er ein extrem guter Dichter.

Frühlings-Gesicht

Alles Bleiche wird nun bunt …
Rot und Gold, Orange, Azur …
Alles Kranke wird gesund,
durch die Kraft Mutter-Natur.
Alles Stumme singt und ruft,
fliegend es von Süden schwirrt …
Des Menschen Jahr ist abgestuft …
herrlich ist´s wenn´s Frühling wird.
Die Wiesen können Blümchen zeigen …
Das Bienchen summt, das Grillchen grillt …
Die Knospen springen an den Zweigen,
das Eislein taut, das Bächlein schwillt.

Es wehen gar muntere Winde,
Schlafmützen aus dem Versteck …
„Du schläfriger Winter verschwinde!“,
singt die erwachende Waldschar ganz keck …
Das Quecksilber tut sich nun strecken,
die Sonne siegt über das Weiss …
Auch Sprösslinge dürfen sich recken …
Frühlings-Geklingel hört man ganz leis´ …

Bizarrheit das Auge erquickt …
Die Meisterhand, die heißt Natur …
Ich Mensch werde durch diese beglückt …
darf nie sterben diese heilsame Kur!

Frühling, du Pforte zum sprudelnden Spiel,
du Dirigent des bunten Reigens,
gibst uns neue Kraft, so sehr viel …
begossen die Zeit des wartenden Schweigens.

Schöner Frühling, ich mag dich gern!
Wiesengrün mit hauchigem Morgentau …
Das Spiel des Lebens höre ich von fern,
liegend, dösend, wobei ich ´gen Himmel schau …

Schillernde Falter den Hüllen entschlüpfend …
leckerer Nektar trommelt zu Tisch …
Mensch und Tier gleichermaß´ hüpfend …
Alles Verlangen findet zu sich.
Auf den Feldern das emsige Treiben beginnt …

Frau Flora klettert zur Sonne empor …
bedächtig, doch stetig, nichts zu geschwind …
Dank sieht mein Auge, Freud´ hört mein Ohr!

Frühlings-Erwachen
Neckige Zeit
Herzhaftes Lachen
Bezaubernde Maid
Saugende Blicke
Sprühendes Licht
Tausende Stücke
Frühlings-Gesicht

Mit freundlicher Genehmigung. Ich darf alle seine Werke verwenden!
(c) rob alphanostrum

Ich erwarte nicht, dass jeder so ein Meisterwerk hinlegt. Der alte Schiller wäre neidisch :-). Dennoch bin ich sehr gespannt auf Eure Einsendungen, die Ihr bitte hier unter diesem Post als Kommentar schreibt. Ich selbst habe noch kein Frühlingsgedicht verfasst und habe leider im Augenblick auch keine Muße. Wenn sie mich küsst, werde ich auch eins schreiben.

Und hier kommt die Auswertung

grafik.png

Bildquelle: Pixabay

Heute nun die Siegerehrung zu meinem Gedichte-Wettbewerb.

Ich muss sagen, ich habe mich echt schwer getan, einen Sieger zu küren. Mir haben mehrere Gedichte sehr gut gefallen. Zunächst möchte ich mich für die Teilnahme bei @jkiw @parzifal1 @stayoutoftherz @filosof103 @weitblicker @hansgans @erniegreenhill bedanken.

Kommen wir gleich auf den Punkt.

Am besten hat mit das Gedicht von @jkiw gefallen. Dieses Gedicht bekommt meinen ersten Preis. Es wirkt sehr rund, harmonisch und vor allem sehr einfallsreich.

Des Frühlings Spuren

Lenz nennt man ihn noch heut poetisch,
den Frühling trifft das nur phonetisch.
Es ist ihm gleich, wie man ihn nennt,
doch schätzt er’s, wenn man ihn erkennt.

Schau, die Kalender uns’rer Welten
erklär’n dem Frühling: Daten gelten!
Der lacht laut auf, schlägt sich aufs Knie
und denkt bei sich: die raffen‘s nie!

Alle Pflanzen wissen wann
man langsam aus dem Boden kann.
Alle Vögel stellen fest:
Das Licht ist gut – wir bau’n ein Nest.

Die kleine Feuerwanze weiß:
Ich zieh mal los, bald wird es heiß.
Der Igel tut sich recken, strecken
und mag sich gar nicht mehr verstecken.

Laut brummend fliegt die Königin
mal hier, mal dort, mal drüben hin.
Ob Wespe, Biene oder Hummel,
es ist ein emsiges Gebrummel.

Und wir, die klugen Menschenköpfe?
Was sind wir tragische Geschöpfe.
Schau’n ganz gebannt auf uns’re Uhren
und sehen kaum des Frühlings Spuren.

© @jkiw

Den 2. Preis erhält das Gedicht von @parzifal1, die erste Strophe ist der Hammer. Die 3. Strophe wirkt etwas gezwungen, aber dann wird es wieder sehr rund und kreativ.

Frühlingsgedanken

Was soll ich sagen über den Lenz,
dass nicht schon gesagt, mit Konsequenz;
dass nicht schon geschrieben,
seit der Keilschrift, auf dem Ziegel.

Und so will ichs auch versuchen,
den Frühling, lyrisch zu begrüßen;
ist ein gar schwierig Unterfangen,
versuche dennoch, die Krone, zu erlangen.

Doch wie soll ich beginnen,
von des Frühjahrs Schwingen künden;
künden davon was der längre´ Tag so bringt,
wenn die Sonn´, triebweckend in die Erde dringt.

Wenn warme Luft, gemächlich, sich erwärmt,
und der Morgen, um den Frost sich nicht mehr schert;
stattdessen hört man in der Früh´,
Vogelzwitschern wie noch nie;
wie noch nie in dieser dunklen Zeit,
als der Winter hier geweilt;
und auch der Katzenjammer geht nun los,
was denken diese Viecher bloß.

Derweil, im Erdreich sich´s beginnt zu regen,
kommt Wurzel, Wurm, und dem Getier entgegen;
und langsam beginnts nun sich zu heben,
Blum´ und Kraut, der Sonn´ entgegen;
Flora, Fauna sich also entschließen,
nicht länger, zu verdrießen.

Die Menschenbrust beginnt sich ebenso zu regen,
will länger nicht in Kälte leben;
da beginnt das österliche Fasten dann,
zeigt endgültig, des Winters Niederlage an;
langsam, werden die Gärten präpariert,
die wärmste Kleidung in den Keller transportiert.

All dies, sichre Zeichen sind,
dass sich gewandelt, der Zeitensinn.

Ein Letztes fehlt noch in dem Reime,
wen der Bauch sich meldet im Vereine,
im Vereine mit des Herzens Takt,
wenn glitzernd, glänzend Auge lacht;
kecke Worte tanzen dann im Reigen,
mit lächelnd Lippen schöner Maiden.

Ach Frühling, was soll ich noch sagen?,
möcht´ mich nicht mehr plagen,
sei mir gegrüßt du schöne Zeit,
erfreut mich sehr, dein grün Geleit.

© @parzifal1

Den 3.Preis bekommt @hansgans. Das war zuerst mein Favorit. Es sprüht vor Leichtigkeit.

Väterchen Frost,
Flüchtet gen Ost.

Eilend aus West,
Hetzend gestresst.

Der Frühling im Anflug
Der Schneemann verletzt,
Tropfend zu Boden,
Zu Wasser zersetzt,
Vom Erdreich gesogen

Der Samen keimt auf
Durch Sonne und Nahrung
Zur Pflanze er wächst.

Nicht nur eine – nein zu hauf.
Die Wurmverdauung,
Von den Wurzeln sehr geschätzt.

Wiesen voller bunter Blüten,
Schreiend nach Wärme,
Kommend vom Süden,
Der Sommer!
In nicht mehr all zu großer ferne.

© @hansgans

Weil mir auch das folgende Gedicht von @filosof103 gut gefallen hat, gebe ich einen kleinen Sonderpreis dafür (3 Steem). Es schwingt zwar nicht ganz rund, aber es weht eine Brise Freude aus den Zeilen :-).

Der „filosofische“ Frühlingsanfang.

Hört Ihr Leute meinen Rat,
der Winter geht,
der Frühling naht.
All überall auf den Tannenspitzen
sah ich der Sonne Licht erblitzen.
In Feld in Wiese und in Wald,
singt der Vogelchor der Frühling kommt bald.
Die Kälte aus den Füße geht,
das Herz wird warm, eine Brise weht.
Die ersten Blumen kämpfen sehr,
seht ein großes Veilchenmeer.
Die ersten Knospen jetzt treiben,
damit sie im Herzen bleiben.
Die Zeit ist gekommen,
die Kälte genommen.
Der Sturm sich bald legt,
was unsere Herzen bewegt.
Seid deshalb kein Schwein
und lasst den Frühling hinein.
Mit all seinen Sachen,
aus denen Wir etwas machen.
Wespen und Mücken
unsere Haut auch bald schmücken.
Nimm es mit Humor,
denn es kommt öfter vor.
Genießt den Frühling, hört meinen Rat,
denn er wird gehen,
wenn der Sommer naht.

© @filosof103

Über den Geschmack lässt sich nicht gut diskutieren.
Degustibus non es disputantum.
Ich hätte diesen Wettbewerb gerne mit einem eigenem Werk zum Frühling ausklingen lassen, aber ich bekomme im Augenblick kein Gefühl in meine Zeilen. Ein Gedicht ohne Gefühl ist ein totes Gedicht und ich mag keine toten Gedichte :-).

Vielen Dank, es mich sehr gefreut!

Sünde und Wandel

Sünde

Vor langer Zeit,
genaues weiß man heute nicht,
es waren wohl Äonen.
Da brach der Bund und Hass und Leid,
im Siegel der Dämonen,
hernieder fielen und begannen,
das Menschen hassten, Tränen rannen
und jede Torheit neu geboren.
Der Seelenfrieden war gebrochen.
Nur wenige, die ungeschoren,
nach dem Gesetz noch rochen.

So wurde alles Land besetzt
mit Bosheit, List und Gier.
Wie Schimmel an den Wänden wächst
und alles nimmt und dann verletzt.
Mit schwarzem Blut ins Herz gekleckst.
Auf Erden thront das Tier.

Dimensionen sind zerbrochen.
Der Menschheit Torheit Oberhand gewann.
So vergingen die Epochen.
Nun frag dich wohl, wer das ersann?

Manche Sünde scheint so heiter,
macht Spaß und darum denkst du tut sie gut.
Diabolisch ist der Sünde Eiter.
Siehst nicht der Augen schwarze Glut?

Kinder trinken Feuerwasser,
schlucken bunten Pillen.
Drogenrausch-Gesicht wird blasser,
wollen Süchte stillen.
Weißes Puder auf dem Klo,
Spritzen zwischen Spielplatz-Sand,
Ich sprech vom Lande Nirgendwo,
das letztlich überall entstand.

Animalisch Treue los
ziehen sich die Blicke an.
Mann und Frau sind Dinge bloß,
die scheinbar niemand leiden kann.
Zwei Geschlechter reichen nicht
Siehst du wie die Knaben scheinen?
Blonde Zöpfe kaum in Sicht.
Mit Maschinen zu vereinen,
scheint ein Plan von langer Sicht,
alle Menschen müssen weinen.
Trist und trübe sei die Zeit.
Angst soll wachsen überall.
Puppen hängen an den Leinen
und fliegen gern mit Überschall.

Tiere leiden Höllenqualen.
Friss und kauf und sei sehr brav.
Immer seine Steuern zahlen
ist das, was der Mensch noch darf.

Die Natur ist fast verloren,
ausgerottet viele Arten.
Wer glaubt er würde neu geboren,
darf bald in der Hölle braten.

Krieg und Blut unendlich wüten.
Bruder schießt auf seines Gleichen.
Erinnere wo Blumen blühten,
nun bedeckt von zahllos´ Leichen.

Ich schreibe diese Verse hier
und kann nicht jede Sünde zählen.
So lang im Kühlschrank steht das Bier,
wirst du die Torheit wählen.
Bin selbst kein Heiliger, oh nein.
Doch denke ich, das ist egal.
Die Zeit läuft ab und alle Pein,
wird enden stets im Jammertal.

Wer sind die Bösen, wer die Guten?
Wo ist die Antwort auf die Frage?
Willst du schmoren in den Gluten,
oder friedlich schlafen auf der Trage?

Das Böse zeigt sich gerne strahlend,
warum das ist, hat viele Gründe.
Worte in die Gegend malend,
beseitigt nicht die Sünde.

Wandel

Liebe Menschen, Tiere Pflanzen!
Liebe alles was gedeiht!
Lass uns heute fröhlich tanzen!
Sei zum Wandel nun bereit!

grafik.png
Bildquelle: Pixabay

© by @seo-boss

Das wundersame Wesen

Meine Collage „Das Chamälion“ hatte ich hier vor einigen Monaten schon mal gezeigt. Dieses Tier kann beide Augen unabhängig von einander bewegen und so einen Blickwinkel von über 340° abdecken, wohlgemerkt, ohne das es den Kopf bewegen muss. Das finde ich sehr erstaunlich. Noch erstaunlicher finde ich die Fähigkeit, dass ein Chamälion die Farbe der Körperoberfläche ändern kann. Es kann sich so immer der Farbe der Umgebung anpassen und wird damit selbst zur Umgebung.

Ich schreibe ja zu jedem meiner Bilder immer ein kleines Gedicht und bei meinem Chamälion, das ist mir heute aufgefallen, hatte ich das wohl vergessen. Als konsequenter Mensch habe ich sofort Befehl an meine Schläfen gegeben, ein paar Verse rauszuhauen :-).

OK, hier sind meine Zeilen zu meinem Bild.

Das wundersame Wesen

Zwincker, zwincker mit den Kulleraugen.
Dieses Tier ist wirklich sonderbar.
Die Zunge klebt und tut zum Fangen sehr gut taugen.
Färbt sich der Körper, sagt der Fotograf, „Aha!“

Ok, es ist Natur und diese zaubert täglich;
doch bleibe ich verzaubert jeden Atemzug.
Mein Werk hält fest, ich hoff´, es ist erträglich,
was mir beim Schauen auf die Kunst-Neuronen schlug.


© by @seo-boss

Not und Kraft

Ja, der SEO-BOSS ist wirklich kreativ und bringt heute seine erste Ballade in die Welt.

Ich wollte immer schon mal eine Ballade schreiben, aber irgendwie bin ich nie dazu gekommen oder mir fehlte die Stimmung. Jeder der selbst Gedichte schreibt weiß, dass die Emotionen gegenwärtig sein müssen, sonst wird die Dichterei nicht glaubwürdig und leer.

Not und Kraft

Der Abend ist neblig und spät ist die Stunde,
da meldet ein Wehen, ein Weinen dem Mann,
dass etwas passiert ist, er blickt in die Runde
und findet den Knaben mit blutender Wunde
und fürchtet, dass er wenig helfen hier kann.

Die beiden im Urlaub, an einsamen Orte
weit weg von den Häusern, wo Hilfe stets ist.
Die Schreie des Schmerzes bedecken die Worte,
jene von liebend` und tröstender Sorte,
die einmal gesprochen, niemand vergisst.

Das Leben zu retten, der Vater nur will.
Was kann er tun, er hat keine Zeit?
Er bindet das Bein, der Knabe wird still.
So schnell wird zur Hölle, was eben Idyll;
und Hilfe ist leider so unendlich weit.

Kein Auto, kein Fahrrad, kein Pferd und kein Boot.
Gewandert die beiden, zwei Tage zu Fuß.
Es schwindet die Sonne, der Abend wird Rot.
Der Mann greift den Sohne und rennt mit der Not.
Der Sohn stöhnt vor Schmerzen und fürchtet den Tod.

Die Bäume des Waldes, im Schatten, wie Wächter,
betrachten den Läufer mit seinem Gepäck.
Der Sohn sieht Gespenster und murmelt vor Schreck:
Vater sie kommen, die grusligen Schlächter.

Schweiß läuft wie Wasser und nass ist die Haut.
Er rennt wie ein Meister, ein Vater der liebt,
das Fürchten ihm stets neuen Antriebe gibt.
Der Abend nun vollends den Tag hat verdaut.

Oh Vater ich sterbe, ich will nicht verbluten.
Mein Kind, sei ganz leise, ich lauf wie der Wind,
ich seh in der Ferne die Häuser, die guten,
Sei mutig mein Kleiner, am Ziel wir bald sind.

Das Blut aus der Wunde durchdringt Vaters Sachen.
Er spürt es und weiß um die schwindende Chance.
Er müht sich und schleppt sich schon fast wie Trance,
Es atmet der Junge mit offenen Rachen.

Der Ort kommt nun näher und Lichter und Leute.
Erschöpfung beim Vater, doch der gibt nicht auf.
Schwarz ist die Nacht, zwischen Gestern und Heute.
Komm, sagt der Mann sich: hier muss ich noch rauf.

Die Kraft jedes Menschen geht mal zur Neige.
Der Vater ein Held, der sein Antlitz verbirgt.
Das Kind liegt ihm bleiern im Arme und schweigt.
Hat dieser Unfall sein Leben verwirkt?

Schmerzen und Leiden beim Arzt angekommen.
Der sieht Alarm von beiden Gestalten,
In letzter Sekunde des Lebens Gewalten,
des Kindes, des Knaben mit Glück noch erhalten.
Dann hat er den Kleinen vom Vater genommen.

Jetzt muss es ganz schnell geh´n und alles gelingt.
Das Kind ist gerettet und bald wieder springt.

Der Vater im Kollaps zusammengebrochen.
Der Kreislauf am Ende, das Herz wird ganz schwach.
Die Augen geschlossen und nie mehr gesprochen.
Die Seele zieht aus, doch bleibt immer wach.

Gefährlich das Leben in jeder Sekunde.
Bedenke, mein Freund, jeder Schritt sei dir Gnade!
Gefahr ist nicht immer wie bellende Hunde.
Sie kommt morgens, früh und in nächtlicher Stunde.
So hüte dein Leben und stehe stets gerade.

Du hast nun vernommen, meiner Traurigkeit Zeilen.
Wer väterlich stets seinen Nächsten umsorgt,
der darf in der Sphäre der Liebe verweilen!

grafik.png
Bildquelle: Pixabay

© by @seo-boss