SEO | Traffic-Netzwerke sind nutzlos

Jeder Betreiber einer Website wünscht sich viele Besucher. Im günstigsten Fall kommen Besucher über die Suchmaschinen, über Links, welche auf anderen Websites auf die eigene Website verweisen, oder über Posts in den sozialen Netzwerken. Kommt der Traffic über solche Quellen zustande, sprechen wir von organischem Traffic.

Neben diesem Traffic gibt es noch unzählige Möglichkeiten Traffic künstlich zu generieren. Hier nenne ich an erster Stelle die sogenannten Besuchertausch-Systeme. Ich will hier keine Plattform besonders herausheben und werde auch nicht auf einen solchen Dienst verweisen. Auf diesen Plattformen registriert man sich, trägt seine Website-URL ein und kann sich dann andere Websites ansehen.

Prinzipiell gibt es zwei Arten von solchen Traffic-Netzwerken, manuelle und automatische. Bei den manuellen Besuchertausch-Systemen sieht der Teilnehmer sich für eine bestimmte Dauer (meistens um die 20 Sekunden) andere Websites an, muss dann irgendeine Aktion durchführen, die nicht zu automatisieren ist und bekommt dann die nächste Website angezeigt. Für jede gesehene Website werden Punkte gutgeschrieben. Dieses Punkte-Guthaben sorgt dafür, dass andere Teilnehmer sich die eigene Website ansehen.

Bei den automatischen Besuchertausch-Systemen muss der Teilnehmer lediglich eine Viewbar starten und dort werden automatisch alle 15 oder 20 Sekunden neue Websites angezeigt.

Jeder ältere Webmaster wird solche Systeme kennen und wird sich gefreut haben, wie sich der Besucher-Counter der Website überschlagen hat. Heute sind solche Systeme vollkommen überflüssig und der erzielte Effekt geht sogar nach hinten los.

Auf die Idee, diesen Beitrag zu schreiben, bin ich auf Ebay gekommen. Dort habe ich gesehen, dass einige Verkäufer Millionen von Besucher anbieten für einen schmalen Taler. In den Beschreibungen wird es dann so dargestellt, als wenn es wirklich irgendeinen positiven SEO-Effekt hätte, solche künstlichen Besucherströme auf eine Website zu leiten.

Wer sich jedoch etwas mit SEO beschäftigt, der wird sofort erkennen, warum künstlich erzeugter Traffic sinnlos ist oder sogar Schaden verursacht. Hier nenne ich stellvertretend die Bounce rate, das ist die Absprungrate. Diese Metrik zeigt auf, wie lange sich Besucher auf der Website aufgehalten und ob diese überhaupt in irgendeiner Form mit der Page interagiert haben.

Bei den Besuchertausch-Systemen kann es zwar tatsächlich auch mal vorkommen, dass jemand eine interessante Website über diese Dienste entdeckt und sich dann auch länger auf einer Website aufhält, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering.
Eine hohe Bounce rate signalisiert Google und Co. das den User nichts auf der Website gehalten hat oder die UX (User experience/ Nutzer-Erfahrung) schlecht ist.

Wir müssen heute immer berücksichtigen, dass einer der Haupt-Algorithmen von Google eine künstliche Intelligenz namens RankBrain ist. Diese KI ist maßgeblich am Zustandekommen der SERPS (Search engine result pages/ Suchmaschinen-Ergebnis-Seiten) beteiligt. RankBrain generiert in der Tat für jede Suchanfrage ein Echtzeit-Ergebnis. Ich hatte es schon in anderen Beiträgen geschrieben: jeder bekommt seine eigenen und wenn genügend Daten vorhanden sind, auch individualisierten Suchergebnisse angezeigt.

Bei jeder Suche spielt auch die lokale Komponente eine wichtige Rolle. Das ist der Grund, warum wir je nach Ort, von dem aus wir suchen, andere Ergebnisse bekommen. Suchen wir in München nach „Pizza bestellen“, werden wir andere Ergebnisse erhalten als wenn wir dieselbe Suche von Berlin aus starten. Hier findet also schon mal eine Art Vorsortierung nach Ort statt.

Wir können davon ausgehen, dass Besuchertausch-Systeme auf Grund einfacher Muster-Erkennung identifiziert werden und als minderwertiger und künstlicher Traffic das Ranking einer Website negativ beeinflussen. Wer solche Dienste in Anspruch nimmt, sollte für seine Website Google Analytics oder auch ein anderes Website-Analyse-Werkzeug verwenden und wird dann sehr schnell feststellen, wie der Schuss nach hinten losgeht. Alle Werte werden sich negativ entwickeln und in der Folge sich das Ranking der Website verschlechtern.
Das Einzige was „positiv“ auf den ersten Blick wirkt, ist der Anstieg der Besucher-Anzahl. Gerade im E-Commerce geht es aber um die Steigerung der Umsätze. Was nutzen uns da täglich 10 000 Website-Besucher, wenn keiner etwas kauft?

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Grafik by Pixabay